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Neuigkeiten von der DIGAB

02.07.2017

25 Jahre DIGAB-Kongress. Drei Tage wissenschaftlicher Austausch auf höchstem Niveau in Köln

Mit rund 109 Referentinnen und Referenten aus Medizin und Wissenschaft, Pflege, den Reihen der Betroffenen und der Selbsthilfe, der Therapie, Krankenkassen und des MDK, der Medizintechnik, des Sozialrechts u.v.m. war der 25. Jahreskongress der Deutschen Interdisziplinären Gesellschaft für Außerklinische Beatmung e.V. zusammen mit dem 12. Beatmungssymposium vom 22. - 24. Juni 2017 in Köln eine außerordentlich vielseitige Veranstaltung. In Symposien, Workshops, Diskussionsrunden, Freien Vortagssitzungen und Posterpräsentionen wurde die außerklinische Intensivversorgung von Kindern und Erwachsenen aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet.

Highlight war ein internationales Symposium, das die Situation der außerklinischen Beatmung in Europa und Übersee zeigte. Der Einladung von Kongresspräsident Prof. Dr. Jan Storre waren namhafte Wissenschaftler aus Australien, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Großbritannien gefolgt, die den über 800 Teilnehmenden die Versorgungsstrukturen in ihren Ländern vorstellten. Dieser wichtige „Blick über den Tellerrand“ eröffnet einerseits neue Perspektiven für die Versorgung in Deutschland, andererseits hilft er, die gegenwärtige Situation in Deutschland besser einordnen zu können. Durch den demografischen Wandel, Fortschritte in der medizinischen Versorgung und innovative Medizintechnik steigt die Anzahl Betroffener hierzulande immer weiter an. Die Steigerung der Versorgungsqualität bei stetig wachsenden medizinischen Anforderungen, aber auch optimale Ressourcenverteilung, dezidierte Indikationsstellung und vor allem die strukturierte medizinische Nachsorge sind in diesem Kontext wichtige Herausforderungen für die DIGAB.

Bei diesem Jubiläumskongress blickte Prof. Dr. med. Carl-Peter Criée, Gründungs- und Ehrenmitglied der DIGAB und derzeitiger Vorsitzender der Atemwegsliga in der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin auf die vergangenen 25 Jahre zurück. Prof. Criée hat in den achtziger Jahren durch die Anwendung der nichtinvasiven Beatmung eine medizinische Revolution angestoßen. Gemeinsam mit seiner damaligen Patientin Ilona Brandt aus Bonn ließ er noch einmal die Etablierung der Maskenbeatmung in Deutschland Revue passieren und zeigte eindrucksvoll, mit welchem Einfallsreichtum und welch hoher Improvisationskunst damals experimentiert wurde. Seitdem hat die nichtinvasive Beatmung sowohl in der Klinik, aber vor allem auch ihre Anwendung zu Hause vielen Menschen das Leben gerettet und zu einer deutlichen Besserung der Lebensqualität geführt. Viele Betroffene, auch aus dieser Pionierzeit, können durch diesen medizinischen Fortschritt heute noch ein fast normales Leben führen.

Wie komplex die Versorgungssituation ist, wurde den Teilnehmenden bewusst, als der ehemalige
1. Vorsitzende der DIGAB, Prof. Dr. med. Wolfram Windisch, die schon mit Ungeduld erwarteten Ergebnisse der Revision der S2 Leitlinie „Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz“ präsentierte. Diese wichtige Leitlinie wird in Kürze von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) herausgegeben. Die DGP ist eng mit der DIGAB vernetzt, der Präsident der DIGAB ist ständiges Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Fachgesellschaft. Bereits zum 12. Mal führte die DGP unter ihrer Schirmherrschaft auf dem Jahreskongress der DIGAB ein Beatmungssymposium durch, das von der DGP-Sektion „Intensiv- und Beatmungsmedizin“ organisiert wird. PD Dr. med. Dominic Dellweg war als stellvertretender Sprecher dieser Sektion diesjähriger Repräsentant.

Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der DIGAB e.V. fanden Neuwahlen des Vorstands statt. Der ehemalige 1. Vorsitzende Dr. Karsten Siemon ist nach der im letzten Jahr in Bamberg verabschiedeten neuen Satzung nun Past-Präsident, die bisherige 2. Vorsitzende Dr. med. Simone Rosseau ist jetzt Präsidentin der DIGAB. Neuer Präsident-elect ist Dr. med. Martin Bachmann. Mit einer herzlichen Danksagung für sein Engagement wurde der bisherige Schatzmeister Jörg Brambring aus dem geschäftsführenden Vorstand verabschiedet. Da neben der Mitgliedschaft Betroffener auch die Multiprofessionalität der Fachgesellschaft eines der besonderen Merkmale der DIGAB ist, freuen sich alle besonders, dass die Nachfolgerin im Schatzmeisteramt, Meike Grimm, wieder ein Mitglied aus der Krankenpflege ist. Zudem ist Meike Grimm Diplom Sozialarbeiterin, sodass mit ihrer Person ein wichtiger Brückenschlag zwischen professionellen Gesundheitsdienstleistern und Betroffenen, aber auch zwischen stationärem und ambulantem Gesundheitssektor geschaffen ist. Seit vielen Jahren arbeitet sie bei einem Medizintechnikprovider im Bereich Case Management sowie Aus- und Weiterbildung. Mit der Verbindung zu diesem für beatmete Menschen ebenfalls sehr wichtigen Versorgungsbereich wird sie die multiprofessionelle Ausrichtung der DIGAB weiter stärken. Zum ständigen Vertreter der Betroffenen im Vorstand der DIGAB wurde Hans-Joachim Wöbbeking gewählt. Bis zum nächsten Jahreskongress, der in Hannover unter der Präsidentschaft von Prof. Dr. med. Bernd Schönhofer stattfinden wird, formieren sich die neu gegründeten wissenschaftlichen Sektionen, deren gewählte Sprecher ebenfalls dem Vorstand angehören werden.

Im Rahmen der Postersessions und Freien Vortragssitzung wurden die drei besten wissenschaftlichen Arbeiten ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand auf dem Gesellschaftsabend statt. Den 1. Platz belegte Dr. med. Ursula Schönheit-Kenn mit dem Thema „Akute Effekte einer nicht-invasiven Beatmung während Training bei hyperkapnischen COPD-Patienten – eine randomisierte cross-over Studie“, gefolgt von dem Abstract der Atmungstherapeutin (DGP) Gabriele Iberl „Personalisierte Trachealkanüle“ und Dr. rer. nat. Jens Kerl mit einer Untersuchung zu „Beatmungsqualität und Schrittmachereinstellung“.

Nicht nur der vielseitige Kongress mit seiner interessanten Industrieausstellung und den zahlreichen Möglichkeiten zum interdisziplinären und interprofessionellen Austausch begeisterte die Teilnehmenden, sondern auch die Messestadt Köln. Der traditionelle Gesellschaftsabend in der Kölner Flora inmitten des Botanischen Gartens bot an diesem herrlichen Sommerabend eine zauberhafte Kulisse. Bei der Verabschiedung am Samstag waren sich alle einig, dass der Jahreskongress der Deutschen Interdisziplinären Gesellschaft für Außerklinische Beatmung wieder einmal ein großer Erfolg war.

Weitere Informationen unter www.digab-kongresse.de

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